Bier des Monats: Orval

In der Abtei Orval in der belgischen Provinz Luxemburg, nahe der französischen Grenze, wird genau ein Bier gebraut: Das Orval. Das Trappistenbier lässt sich eigentlich keinem Bierstil zuschreiben. Das Gerstenmalz wird nass geschrotet, zur heißen Würze kommt Kandiszucker. Vergoren wird das Orval mit zehn verschiedenen Hefen, unter anderem Brettanomyces. Während einer ersten Lagerung wird es hopfengestopft, anschließend erneut mit Kandiszucker gespeist und mit frischer Hefe nochmal in der Flasche vergoren. Da betreiben die Mönche einen ganz schönen Aufwand.


Spannend ist auch, dass das Orval explizit zur Lagerung empfohlen wird. Es verändert sich wohl im Laufe der Zeit sehr und auch der angegebene Alkoholgehalt von 6,2 Prozent kann sich dank Flaschennachgärung noch erhöhen. Ich habe einige Flaschen im Keller, um in ein paar Jahren mal verschiedene Jahrgänge zu vergleichen. Für den heutigen Test nehme ich eine im Januar 2021 abgefüllte Flasche, sie ist also rund 8 Monate gereift.


Die Flasche hat eine außergewöhnliche, sehr schöne bauchige Form. Das Etikett ist schlicht und zeigt lediglich das Logo der Brauerei (oder des Klosters?), einen Fisch, der gerade an einem Haken aus dem Wasser gezogen wird. In goldenen Großbuchstaben steht Orval darüber. Die Zutatenangabe in sechs Sprachen zeigt schon, dass das Bier international begehrt ist.


Das Orval füllt den Kelch mit Silberrand trüb bernsteinfarben mit einem leicht schimmernden orangenen Akzent. Der feine Schaum verteilt sich uneben über die Oberfläche, er ist beige, stabil und von langer Dauer. Zarte Kohlensäure hält ihn am Leben.



In die Nase gelangt ein süßlicher Duft, der an frische Heilkräuter wie Salbei erinnert. Auch eine dezente süß-saure Note kann man wahrnehmen. Sie erinnert an einen schon etwas weichen, gelben Apfel.


Der erste Schluck offenbart eine Mischung aus Säure und Herbe, im Mund fühlt sich die Flüssigkeit spritzig, aber auch recht hart an. Die Säure lasse ich als Fruchtsäure von Äpfel, Birnen oder auch einer Grapefruit durchgehen, als Sauerbier würde ich das Orval (zumindest in dieser Alterungsstufe) trotz der verwendeten und erkennbaren Brettanomyces-Hefe nicht bezeichnen.


Die Herbe ist sehr weich, trotzdem schlägt sie mit einer eindrucksvollen, grasigen Bittere zu. Deshalb führt die Spur zunächst wieder in Richtung von verschiedenen Kräutern. Allerdings können auch eine liebliche Blumigkeit und sogar eine Spur von Zitrusfrüchten erkannt werden.


Im Abgang schmeckt das Orval zwar nicht extrem nach Grapefruitschale, das ist aber auf jeden Fall die Richtung, in die die Herbe jetzt geht. Noch lange arbeiten die Bitternoten sich an Zunge und Gaumen ab, sodass der komplette Mund für eine ganze Weile mit dem Einordnen und Verarbeiten der Bitternoten beschäftigt ist.

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