Bier des Monats: ALD IPA

Der Verkaufsstart des ALD IPA von BrewDog bei Aldi Süd schlägt derzeit hohe Wellen. Ist das erlaubt, dass eine hippe, linke Craft-Beer-Brauerei, die in wenigen Jahren mit Crowdfunding extrem gewachsen ist, mit dem milliardenschweren, alteingesessenen, für Massenware und Billigstpreise bekannten Discounter Aldi gemeinsame Sache macht? Ich finde: ja.


Ist doch schön, wenn es im Discount gutes Bier gibt, wenn neue Zielgruppen an neue Bierstile herangeführt werden, und wenn zwei große Player gemeinsame Sache machen, statt sich zu bekämpfen (dazu gleich mehr). Ich freue mich, dass ich bei Aldi ein Bier kaufen kann, von dem ich genau weiß, wo es von wem gebraut wurde. 1,29 Euro für den halben Liter ist für jemanden, der normalerweise bei Aldi Bier kauft, vermutlich ziemlich teuer. Wer die eigentlichen BrewDog-Preise kennt, traut sich aber kaum zu lächeln.


Und zum Thema Kleinbrauereien Romantik: Die Schottische Brauerei ist eine der größten Craft-Beer-Brauereien in Europa, hat inzwischen Bräustätten in Ellon (Schottland), Berlin, Columbus (USA) und Brisbane (Australien). Knapp 100 eigene Bars und Restaurants betreibt Brewdog weltweit, dazu kommen vier eigene Hotels. Bei allem Craft, Crowdfunding, Punk und lobenswertem Umweltschutz ist klar: Das ist ein Riese.


Zu der Zusammenarbeit kam es wirklich auf ziemlich lustige Weise: Aldi UK hat vor wenigen Jahren ein Bier in den Verkauf gebracht, das der Dose des BrewDog Flaggschiffs Punk IPA sehr ähnlich sah und als Anti Establishment IPA auch noch namentlich auf den Punk anspielte. Über Twitter drohte die Brauerei daraufhin ironisch, demnächst ein Aldi-Fake-Bier auf den Markt zu bringen, als Rache sozusagen. Und dann hat man sich tatsächlich zusammengetan. Nachdem das in Großbritannien offenbar gut geklappt hat, gibt es das Bier nun auch auf dem deutschen Markt. Gebraut in Berlin übrigens.


Das Design ist ziemlich gut gemacht, denn man erkennt sofort beide Marken: Die Farben von Aldi Süd, die Wappenform und das kleine Logo von BrewDog und deren klares Schriftbild. Die matte, dunkelblaue Dose sieht auch wirklich cool aus.


Strohgelb und extrem klar sieht das ALD IPA schon ziemlich leicht aus. Das ist der richtige Zeitpunkt zu erwähnen, dass es mit nur 4,2 Prozent Alkohol ziemlich weit weg ist von den Werten eines normalen IPAs. Darum steht wohl auch auf der Dose, dass es sich um ein easy India Pale Ale handelt. In der Craft-Beer-Sprache wäre das wohl ein Session IPA. Zurück zum Aussehen: Kohlensäure ist reichlich vorhanden, dennoch hält sich der wenige Schaum nur kurz.


Im Geruch kommt das helle Gerstenmalz mit seinen süßen Getreidetönen voll heraus. Wenn man großzügig sein will, kann man vielleicht noch einen Hauch von Apfel erkennen, ehrlich gesagt kommt vom eigentlich IPA-typischen Hopfen oder gar von tropischen Zitrusaromen überhaupt nichts in der Nase an.


Der Antrunk ist entsprechend schlank, es fehlt dem Bier doch etwas an Körper. Trotzdem hat es einen guten Geschmack: Der angenehm leichte Malzkörper erinnert an frisches, helles Brot, der Hopfen bringt eine leichte, grasige Herbe ins Spiel. Sogar ein bisschen Apfel, Birne und Zitronenschalen kommen nach und nach aus der Deckung.

Im Abgang wird es nochmal etwas herber, ohne dass großartige Hopfenaromen aufkommen. Grasiger Geschmack legt sich auf den Gaumen, auch ein bisschen Bitterkeit und trockene Hefenoten. Für das leichte Bier bleiben die sogar erstaunlich lange und wollen dringend weggespült werden.


Für mich ist das eher ein leicht fruchtiges Kölsch als ein IPA. Da haben Aldi und BrewDog gerade beim etwas versierteren Bierpublikum falsche Erwartungen gesetzt. Nichtdestotrotz ein gut trinkbares, leichtes Bier. Für heiße Sommertage kann ich mir das gut vorstellen. Ob das zum dauerhaften Erfolg wird? Dazu ist es vielleicht ein zu normales Bier. Und für ein normales Aldi-Bier dürfte es dem Großteil der Kundschaft zu teuer sein.

16 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen