Bier des Monats: Saure Himbeere

Aktualisiert: Juli 7

Dunkelrot glänzt das klare Bier im Verkostungsglas. Um in der Farbe die Himbeere zu entdecken, braucht man nicht viel Phantasie. Eine dünne, flüchtige, in der Farbe aber herrlich rosa Schaumschicht bedeckt das bunte Getränk, das von zarter Kohlensäure durchzogen wird.


Der Duft ist sehr, sehr intensiv nach säuerlichen Himbeeren, aber auch ein Hauch von Blüten


kommt in die Nase. Der Geruch kündigt ein fruchtige Süße mit gewisser Schwere an.

Der erste Schluck ist richtig spritzig, zusammen mit einer leichten Säure wird das Himbeer-Bier so zu einer


herrlichen Sommererfrischung. Recht schnell werden die säuerlichen Aromen mehr, sie erinnern an Rotwein oder – wegen der vielen Kohlensäure – an Rosé-Sekt. Ganz leicht zeigen sich auch die typischen, etwas animalischen Töne der Brettanomyces Hefe.


Um es nicht zu vergessen, weil es so offensichtlich ist: Da ist natürlich ein ganz deutlicher Geschmack von Himbeeren, aber sauren Himbeeren, auch wenn der Eindruck nach und nach etwas süßer wird. Am Gaumen wird es schon trocken, solange das Bier noch im Mund ist.


Im Abgang bleibt die feine Säure bestehen, dazu kommt aber eine ganz leichte Kräuterherbe, so dass die Saure Himbeere nun ein bisschen an Traubenmost erinnert.

Der Nachgeschmack ist schön mild nach fruchtiger Himbeere. Gaumen und Zunge werden schnell staubtrocken, die zurückbleibende Säure lässt aber rasch das Wasser im Munde zusammenlaufen.


Dieses Bier habe ich selbst gebraut - und es war ein ziemlich spannendes Projekt. Als ich es im Mai 2020 gebraut habe, hatte ich noch wenig Kontakt mit Sauerbieren oder gar mit wilden Hefen vorzuweisen. Trotzdem habe ich mich an dieses Bier gewagt, das auf Himbeeren aus dem eig


enen Garten vergoren, dann mit Milchsäure und eben der Brettanomyces-Hefe versehen und nochmals aus Himbeeren nachvergoren wurde. Nach dieser aufwändigen und zeitintensiven Gärung war aber noch nicht ans Trinken zu denken, denn Sauerbier braucht Zeit. Darum sind die abgefüllten Flaschen für ein ganzes Jahr in den Kühlschrank gewandert.


Pünktlich zum Sommerstart im Juni 2021 durften sie wieder raus. Und ich finde, dass sich das Warten gelohnt hat: Es ist ein ganz außergewöhnliches und sehr feines, erfrischendes Sommerbier geworden. Natürlich ist es mit seiner Säure und dem Himbeergeschmack weit weg von herkömmlichem Bier, dennoch hat es schon jetzt viele Freunde und vor allem Freundinnen gefunden. Die Hälfe der Flaschen bleibt nochmal ein Jahr in der Reifung, um zu sehen, was die Zeit mit der Sauren Himbeere macht.


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